Kognitiver Horizont

Jeder Mensch hat einen begrenzten geistig-kognitiven Horizont – sowohl zeitlich als auch räumlich. Man kann im bewussten Denken nur eine begrenzte Menge an Informationen aus einem begrenzten Zeitraum und einem begrenzten Umfeld betrachten kann. Wie groß ist dieser Horizont?

Ein ganz einfaches Beispiel: In unserem normalen Alltag, im alltäglichen Handeln, denken wir normalerweise nicht bewusst daran, dass auf diesem Planeten jede Sekunde zwei Menschen sterben und drei geboren werden. Ja natürlich kann man sich auch zurück erinnern, an etwas lang vergangenes. Oder man kann sich vorstellen, wie eine bestimmte Situation oder ein Gefühl in der Zukunft wohl sein wird. Das ist jedoch ein bewusster mentaler Prozess. In unserem alltäglichen Denken sind wir eher mit dem Hier und Jetzt beschäftigt. Und das ist auch gut so. In Millionen Jahren der Evolution so trainiert.

Kleinkinder

Noch viel deutlicher ist der kognitiver Horizont bei Kleinkindern. Den Horizont eines einjährigen Kindes würde ich ungefähr beziffern auf  zehn Minuten in die Vergangenheit/Zukunft und ein paar Meter um es selbst herum.  Alles außerhalb dieses Horizonts ist für das Kleinkind so gut wie nicht existent. Es mag vor ein paar Minuten noch herzzerreißend, verzweifelt, am Boden strampelnd geschrieen haben, weil es den Kecks nicht bekommen hat. Doch nur wenige Minuten später ist schon die Katze, die zufällig draußen im Garten vorbeiläuft, wieder das wichtigste auf der Welt und alles andere vergessen.

Bei Kleinkindern ist das recht offensichtlich. Was jedoch kaum jemandem bewusst ist, ist dass Erwachsene ebenso einen kognitiven Horizont haben. Es gibt einige Dinge, die wir mit unseren geistigen Fähigkeiten nicht erfassen können und wohl auch nie erfassen werden können. Oder glaubst du wirklich vollumfassend zu „verstehen“, wie das Weltall unendlich sein könne?

Überflieger

Es gibt Menschen gibt die einen wesentlich größeren Horizont als andere. Gallileo Gallilei zum Beispiel. Ich meine jetzt gar nicht mal Intelligenz. Sondern ich meine damit, wie komplex die Abstraktionen sind, die jemand im Kopf vollständig erfassen kann. Die meisten Menschen können nur einen kleinen Ausschnitt eines hochkomplexen variablen Systems erfassen. So als ob man versucht mit einem Lötkolben einen Prozessor zu reparieren. Doch es gibt einige Wenige, die die Komplexität eines Problems vollumfassend auf einmal erfassen können.

Aus der Weite des erfassbaren Horizonts können erstaunliche Entscheidungen folgen. So mag z.B. ein neues Gesetz kurzfristig erst mal gut und sinnvoll erscheinen. Doch langfristig, über Dekanden hinweg betrachtet, mag es für die gesamte Gesellschaft eher negative Folgen haben. Alles eine Frage des Blickwinkels.