Das perfekte Gefängnis

Achilles: Hallo Schildkröte. Wie geht es dir? Ist es nicht ein wunderbarer Tag heute?

Schildkröte: Guten Tag Archilles! Danke gut. Ja ich genieße die warme Sonne. Und dir, quält dich wieder einer deiner Fragen?

Achilles: Ja du kennst mich zu gut. Mich lässt mal wieder eine meiner Fragen nicht los.

Schildkröte: Erzähl! Welche große geheimnissvolle Frage ist es diesmal?

Achillies: Es ist die Frage: „Was wäre das perfekte Gefängnis?“

S.: Na das ist aber eine platte einfache Frage. Das perfekte Gefängnis ist natürlich, dasjenige, aus dem man nicht ausbrechen kann.

A.: Ok, das wäre vielleicht ein ‚gutes‘ Gefängnis, aber sicherlich kein ‚perfektes‘. Was wäre mit einem Gefängnis, in dem die Insassen gar nicht wüssten, dass sie in einem Gefängnis sind?

S.: Das müsste aber ein großes Gefängnis sein …

A.: Ja das ist richtig. Es müsste genau genommen sogar unendlich groß sein.

S.: Du willst jetzt aber nicht sagen, dass das Universum (das einzige, was wir kennen was wirklich unendlich groß ist) ein Gefängnis sei, oder?

A.: Nein, nicht direkt. Vielleicht ist ‚Gefängnis‘ ein zu starkes und zu negativ besetztes Wort. Ich will nur andeuten, dass das Universum etwas ist, dass wir nie verlassen werden können. Zumindest nicht in einer der uns bekannten Richtungen …

S.: Was meinst du denn jetzt damit schon wieder? Drück dich doch einfacher aus.

A.: Naja ganz einfach. Als wir über das „große Gefängnis“ redeten, implizierten wir beide unbewusst automatisch, räumliche Größe – in den uns bekannten drei räumlichen Dimensionen.

S.: Ach das mit den vielen Dimensionen ist doch quatsch. Es weiß doch jedes Kind, dass die vierte Dimension die Zeit ist.

A.: Wir werden ein Andermal über die anderen und weitere Dimensionen reden. Bleiben wir für heute mal bei der Zeit. Auch zeitlich müsste das Gefängnis ziemlich ‚groß‘, also zeitlich ausgedehnt sein. Es muss mindestens vor deiner Geburt gebaut worden sein und mindestens bis nach deinem Tod noch stehen. Eigentlich muss es sogar vor jedem gebaut worden sein dessen Bücher du liest oder dessen Überlieferungen du hörst.

S.: Das würde ja heißen, das Gefängniss müsste schon vor Anbeginn der Menschheit existiert haben.

A.: Ja genau. Nur in Galaktischen Maßstäben gemessen, ist das gar nicht mal eine so lange Zeitspanne. Nimmt man allein das Alter unseres Planeten Erde und skaliert es auf 24h herunter, dann würden wir als intelligente aufrecht gehende Menschen nur in der letzten Sekunde des Planetenlebens existieren.

S.: Mh, ok, so gesehen müsst das Gefängnis also nur „eine Sekunde eines Planetenlebens“ lange gebaut sein. Aber das Gefängniss müsst immerhin noch unendlich groß sein!

A.: Müsste es das wirklich? Es reicht doch schon, wenn es gerade groß genug ist, so dass wir die Mauern nicht sehen könnten.

S.: Aber wir können mit unsere Teleskopen schon ganz schön weit schauen!

A.: Können wir das? Ja, unsere Teleskope können Millionen von Lichtjahren weit in die Ferne blicken. Aber was wir dort sehen, was die Teleskope empfange ist auch Millionen Jahre altes Licht. Das heist, wir schauen eigentlich in die Vergangenheit unseres Universums.

S.: Du redest schon wieder in Rätseln. Diese Zeiträtsel bringen mich immer durcheinander.

A.: Schau, stell dir vor, ein Teleskop ’sieht‘ wie ein sehr sehr weit entfernter Stern explodiert. In Wirklichkeit ist der Stern schon vor Millionen von Jahren explodiert. Der Lichtblitz dieser Explosion hat nur bereits Millionen von Jahren gebraucht um dieses gigantische Distanz durchs Universum bis zu uns zu wandern, um letztendlich auf die Linse des Teleskops zu treffen, wo wir ihn dann wahrnehmen.

S.: Das heißt je weiter wir suchen, desto mehr sehen wir eigentlich nur in die Vergangenheit?

A.: Ja richtig. Wir können also gar nicht bis zum Ende des Universums schauen.

S.: Jetzt machst du mir Angst. Wir leben doch in keinem Gefängniss, oder?

A.: Nein, keine Sorge, höchstwahrscheinlich nicht. Gefängniss ist wie gesagt wohl ein zu negativ besetztes Wort. Was ich mit der bewusst provokant gewählten Frage darstellen wollte, ist unsere begrenzte Wahrnehmung der Realität. Die wahre Realität ist so viel mehr als wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können.